2015/07/13

Still Life Moving

Hund, Besuch und M. sitzen verteilt im Wagen, ich fahre. Die Stadt bleibt innerhalb eines Augenblicks zurück. Der Harz ist so nah. Der Besuch scherzt darüber, dass eher langweilige Städte damit werben, dass der „Freizeitwert aber doch so hoch sei“. Das klingt, als habe man alle Leidenschaft verloren oder diese gegen ausreichend Luft zum Atmen eingetauscht.
Durch die Wälder und in die Hügel fahren wir, breite oft leere Straßen entlang. Auch später, auf der langen Wanderung begegnet uns kaum jemand.
Ich halte die Luft an.
Den Himmel zieht es bis hinunter auf den Asphalt. Viele Häuser sind älter und vergessen – manches steht zum Verkauf. Meine Sonnenbrille lässt die Farben satter und tiefer aussehen. Wäre das Virtuelle Realität hätte ich jetzt total immersion erreicht.
Im Wald werde ich kleiner angesichts der riesigen alten Bäume, der Felsen und der stillgelegten Bergwerke. Ich ziehe die Schuhe aus und lasse mich auf das Moos fallen. Erweiterung der Berührungsfläche, successful interface.
Das letzte Jahr sitzt mir noch etwas im Körper und in der Sprache. Dabei schaue ich hauptsächlich verwundert zurück. Nach manchen Beziehungen reibt man sich die Augen. Es ist wie morgens verschlafen vor dem Spiegel zu stehen und noch nicht ganz klar zu sehen. Um dann, mit einem Mal froh zu sein, dass man dort im Spiegel tatsächlich auf sich selbst zurückblickt und sich nicht mehr das Bild eines Anderen/einer Anderen auf den eigenen Körper legt.

Comments

  • KR sagt:

    Vielleicht hat die virtuelle Realität ihre Perfektion erreicht, wenn wir vollständig außerstande sind, ihre Virtualität noch wahrzunehmen in Kontrast zu einer realen Realität. Wenn ich auf breiten, menschenleeren, sommerheißen Straßen irgendwo im (sächsischen, brandenburgischen, …) Hinterland stehe, falle ich gern in diesen Gedanken zurück. Träge Windräder in der Hitze, flirrende Luft flach über staubigen Fahrbahnen. “Freizeitwert” und unbegrenzte Möglichkeiten irgendwie – alles, was einen umgibt, scheint man ganz für sich allein zu haben. Die einzige sinnliche Erfahrung vielleich ein Sommerregen, plötzlich, unvermittelt, bis auf die Haut durchdringend, und ebenso unvermittelt wieder Sonne, der Duft von Feuchtigkeit, Dunst, Nebel. Die Welt ist immer noch wie vorher, aber man sieht nicht mehr so klar. Niemanden anders. Sich selbst ohnehin nicht, nimmt sich nurmehr wahr… die Reflektion im Spiegel eingeschlossen. Staring into the eyes of a stranger…

    Ich hoffe, die Spuren des Jahres auf Deinen Worten sind nicht gar so schlimm…

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