2015/06/12

Es ist 21:48 Uhr.
Ich sitze mit einer Flasche Ketchup, einer Flasche alkoholfreiem Bier und einer Schüssel voll unangetastetem grünem Salat vor dem Haus.
Es ist genau die kurze Zeitspanne des Tages, die auf der Kippe steht.
Es ist weder Tag noch Nacht – doch die Farben verblassen langsam.
Ich versuche stets den Zeitpunkt festzumachen an dem es kippt, der an dem sich alles ändert.
Es gelingt mir nicht.
Noch fliegen Schwalben und Fledermäuse gleichzeitig. Ich schaue auf den Bildschirm, ich schaue nach oben, vielleicht steht da jetzt schon ein Stern. Ich weiß, dass dort immer Sterne stehen, aber wissen und wahrnehmen sind zwei unterschiedliche Dinge.

Ich wünsche mir eigentlich nie, ich würde rauchen.
Aber jetzt tue ich es – zumindest als Idee, als Vorstellung. Ich könnte eine Zigarette drehen; das Papier auseinanderfalten, den Tabak hereinfallen lassen, die Stärke zwischen meinen Fingern justieren, die Klebschicht anlecken, mit der Zunge vorsichtig über die Gummierung fahren, schmecken, innehalten, kleben; dann die Zigarette zum Mund führen, zwischen die Lippen bringen, anstecken – das Feuer flackert leicht, aber vor allem blau.
Ich würde Rauch einatmen, einhalten, mit dem Rauch etwas von der Welt anhalten, in mir anhalten, und es dann leicht verändert wieder ausatmen.
Liebe, Welt – an einem Abend wie diesem sind alle Atome gleich Sprengstoff.

Hello summer, I’ve seen plenty, I’ve seen none before.

Comments

  • KR sagt:

    Der Rauch würde es nur illustrieren… wie der Nebel im Windkanal, mit dem die Ingenieure sehen, wo der Prototyp noch zu schleifen ist und wo die Designer völlig versagt haben. Der Rauch würde nur den Prozeß bewußt machen, der sonst unbewußt, permanent, tagein, tagaus passiert: Atme ein Stück Welt ein, und wieder aus. Kein Husten, kein Brennen, das uns auf diesen Prozeß aufmerksam macht, auf diesen Zeitpunkt, auf dem alles kippt in der Richtung, der Umkehr dieses Ablaufs.

    An Abenden wie diesen ist alkoholfreies Bier keine gute Wahl, glaube ich…

    • suedfiction sagt:

      Danke! Manchmal ist Sichtbarkeit wichtig. Und manchmal braucht es auch die Schwere einer Berührung oder die von Worten.

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