2014/12/08

“You fill my head at eleven o’clock.”

Two years ago, you died. I think people shouldn’t die. I can hear you laughing at this.
You’re still here.

As the daylight fades, I wonder what it would be like if we, in contrast to the darkness taking over, became ablaze in light.
Now, you’re laughing even harder and I can hear you whispering, “you’ll never get rid of that religious imprint, will you? No matter how far you turn.”

2014/11/29

Spice

Ich weiß jetzt, was es heißt, die “komplette Elektrik zu erneuern”. Leitungen ziehen sich wie Adern durch Häuser. Zimmer, die bereits eingeräumt waren, müssen wieder ausgeräumt werden. Wände werden aufgemeißelt, Kabel eingezogen – das was sonst verborgen ist unter Putz, wird sichtbar. Ich finde es spannend, zu erfahren, wie Dinge funktionieren. Ich mag es, etwas offen zu legen – seien es allgemeine Wirkprinzipien oder ein ganz konkreter Schaltkreis. Es macht die Welt gestaltbar. Wenn ich die Konstruktion sehe, kann ich prinzipiell auch dekonstruieren. Ich weiß, dass das nicht so einfach ist. Ich muss stets an Donna Haraways Satz,”to be a construct does NOT mean to be unreal or made up; quite the opposite“, denken.

spice

Wie “messy” Materialisierungsprozesse sind, erleben wir unmittelbar. Wir machen Scherze darüber, dass der Staub, der sich über alles legt, Spice sei.
Es ist besonderer Staub, rot und ganz fein, nicht wirklich Schmutz, eher wie ein pudriger Schleier. Beim Auskehren oder Lüften hängt er wie Nebel in der Luft und filtert den Blick. Als Phänomen ist er interessant und schön, im Alltag strengt er an, weil er auch nach der Arbeit bleibt. Abends, wenn das Licht heruntergedreht ist, sieht man ihn weniger. Da hat der Staub sich längst gesetzt, überall hin, zwischen alle Dinge und ein wenig auch zwischen uns, die wie hier versuchen zu leben. Es ist Kriechstaub.
Beim Spaziergang durch ein Naturschutzgebiet wundern M. und ich uns, wie anstrengend so etwas Profanes sein kann. Es ist ein wenig so, als würde uns die Wohnung wieder weggenommen. Der Staub ändert das Interface. Wir kommen nicht so richtig zueinander, die Gegenständlichkeit des Wohnens, die Dinge und unsere Körper. Jede Bewegung wirbelt etwas Staub auf, verschiebt Teilchen, läßt diese woanders nieder. Wir saugen, wischen, tragen Masken, atmen dennoch Feines ein.
Ich frage mich, wie viele Schichten ich ablegen können muss, um einen Ort mein Zuhause zu nennen. Wie nackt kann ich mich hier schon bewegen? Ganz wörtlich, die Metaphern kommen später. Die Handwerker tragen nicht grundlos ihre Arbeitsanzüge, die sie am Abend abkehren bevor sie nach Hause gehen. Auch ich versuche den Staub abzuschütteln, den schmutzigen Tag – das gelingt weder physikalisch, noch im übertragenen Sinn.
Zuhause bedeutet für mich, mir die Dinge zu eigen machen zu können. Es ist eine Art Körpererweiterung, ein Oszillieren zwischen all dem, was zwischen Innen und Außen liegt. Gerade fasse ich immer in den Nebel. So gern ich das Dazwischen mag, so stark wird meine Sehnsucht nach festen Körpern Tag um Tag.

2014/11/28

Zeitmaschinerie und Geister,

gehen mir durch den Kopf als ich in der Badewanne liege, die groß ist und eine Whirlpoolfunktion hat. Heruntergekommener Luxus zwischen Mittelstand und Bürgerlichkeit beschreibt die neue Wohnung – durch das alte Parkett, die Flügelfenster, den Stuck, den großen Leuchter und diese Wanne, in einem von zwei Bädern. Die Sprudelfunktion nutze ich nicht. Auch nach wiederholtem Entkalken und Desinfizieren traue ich dem System nicht. Ich liege daher in der Stille, inmitten weißen Marmors und dieser seltsamen Lamellendecke, die das Edle bricht und denke an die Menschen, die vor mir hier lagen. Die lagen hier und wuschen sich und waren Körper mit Sorgen und Narben und Geschichten zwischen den Hautschichten. Beim Übernehmen einer Wohnung, eines Hauses, kommt man anderen sehr nahe. Ich putze Spuren weg, die wie Patina über allem liegen. Ich frage mich, ab welchem Zeitpunkt meine DNA, die der ehemaligen Bewohnenden überlagert – oder auch, ab wann meine Erzählung hier größer wird, als die ihrige. Ich weiß ein wenig über einige von ihnen. Wobei alle, mit denen ich spreche, die Handwerker, der Vermieter, die Vermieterin, der Hausmeister, der Ladenbesitzer, Unterschiedliches erzählen. Leerstellen.
Zwei Rigipswände haben wir herausreißen lassen. Sie teilten einen der großen Räume in zwei, mit Herzchentapete auf einer Seite und Bordüren auf der anderen. Im Keller steht altes Geschirr, ein Kaffeeservice, Goldrandteller, Schüsseln, ein blassgrünes Coca Cola Glas. Es gibt eine zweite Badewanne dort unten und ein Waschbecken. Im offenen Tresor liegen leere Plattenhüllen.
In noch jeder meiner Wohnungen gab es zurückgelassene Gegenstände, in einem Haus sogar einen abgesperrten Raum. Vergessenes und Verwahrtes, unwichtig Gewordenes – Dinge, die aber doch einmal von anderen in den Händen gehalten wurden und Bedeutung hatten. Wenn ich mir die Geschichte dieser Gegenstände vorstelle, stelle ich mir immer auch die Menschen dazu vor. Oft denke ich, ich mag Geschichten mehr als die tatsächlichen Menschen. Oder, dass ich einfach Zwischenschichten brauche. Räume, Zeiten, Interfaces, Geister.

Gespenster

In Alejandro Amenábars Film “The Others” geht es genau um eine Verschiebung, was Raum und Zeit angeht, um Parallelleben und um das Loslassen und das Festhalten an Orten und Personen. Was wäre, wenn die Geschichte der Personen, die früher hier wohnten, unsere überlagerten? Was wäre, wenn sich ihre Handlungen zwischen unsere schieben würden? Was ist, wenn dies unmerklich, aber in gewisser Hinsicht immer bereits geschieht?
Eine andere Geschichte, die von Leerstand und unterschiedlichen Lebensformen erzählt ist “Die Katze mit Hut” der Augsburger Puppenkiste, die auf dem Buch von Desi und Simon Ruge basiert. Hier nimmt die Katze eine leerstehende Villa in Besitz, in Stackeln an der Kruke, wo sie eher zufällig aus dem Zug ausstieg. Der Eigentümer Egon Maulwisch fordert Miete ein, die selten von der Katze und den Tieren, die sie im Lauf der Zeit aufnimmt, bezahlt werden kann. Stattdessen bietet die Katze an, das Haus glücklich zu wohnen, nachdem sie erfährt, dass Herr Maulwisch eine unglückliche Kindheit in der Villa verbracht hat. Im Lauf der Zeit wird die Villa dann zu einem Zuhause für vielerlei Wesen und Ausgangspunkt neuer Erlebnisse. Die Geschichte des Hauses schreibt sich neu – und am Ende, ganz utopisch gedacht, erreicht die Verwandlung über die Hausbesetzenden sogar den Hausbesitzer.

(*Dieser und der nächste Text sind eigentlich Teil des Blogs, welches unser Wohnprojekt begleiten soll. Da mein Mitbewohner und ich den Launch Woche um Woche verschieben, veröffentliche ich die Einträge vorerst hier.)

2014/11/14

Some time between Friday&night
I run all out of reality
But the images are there
Still
I’m waiting to be moved.

(more...)

2014/11/13

“You know why I run away from shit all the time? Cause I don’t trust anyone. If I’m gonna stay, I need to know the truth.”

“I tell you the truth.”

“Not just what you think I can handle. I need all of it. It’s the only way I’ll know if I can do this.”

(SOA S02E01)
(more...)

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