2016/07/05

Mixed reality, mixed media, mixed ghosts.

Strážné, Juli 2016

Die Tastatur ist staubig, die Kleider und die Haare riechen nach Holzfeuer. Die Wolken haben sich an den Bäumen weiter unten am Berg aufgehängt. Aus der Ferne sieht das, je nach Jahrhundert, malerisch oder wie ein besonders gelungener Instagram-Shot aus; laufe ich jedoch durch die Wolken fasst mich die Feuchtigkeit an. Durch ein Bild zu laufen ist eben nicht möglich.
Für kurze Zeit, einige Wochen nur, versuche ich mich aus der Geschichte zu nehmen, herauszuschreiben (“Stop me, if you’ve heard this one before.” – “Stop me, if you’ve hurt this one before.”). Doch, die Geister ändern sich, wie die Wolken, je nach Standpunkt, eigener Verfassung und gewähltem (oder verfügbarem) Medium. Sie nehmen ganz unterschiedliche Formen an – durch bloßes Anschauen, oder je nachdem ob ich sie träume, versuche wegzudenken, ob ich sie male, aufschreibe oder versuche zu fotografieren. Irgendetwas ist immer nicht im Bild, irgendetwas ist immer zuviel. Manchmal bin ich es (nicht); manchmal taucht etwas Verstörendes am Bildrand auf. So wie in den Geisterdarstellungen des 18. Jahrhunderts wirken meine Aufzeichnungen auf den ersten Blick vielleicht interessant, auf den zweiten als stimme etwas nicht und auf den dritten wie Humbug oder Scharlatanerie. Die Geister verweisen ja auf etwas, bei dem unklar ist, ob es in dieser Form existiert oder überhaupt existiert oder je existierte. Auf der Suche nach dem Referenten, suchen sie mich heim. Wie romantisch das klingt: Heimsuchung. Und dem Wortsinn folgend, denke ich, ich will kein Heim suchen, ich will doch verloren gehen. Das bedeutet für mich gerade vor allem aus der Erinnerungsmaschinerie heraustreten.

„Das Gedächtnis braucht einen Anstoß in der Gegenwart, wenn es etwas hergeben soll. Es ist kein Lagerhaus fertiger Bilder und Wörter, sondern ein dynamisches Netzwerk von Assoziationen im Gehirn, das nie stillsteht und ständig überarbeitet wird, wenn wir ein altes Bild oder alte Wörter zurückholen“.

(Siri Hustvedt: Die Leiden eines Amerikaners)

2016/05/16

Nachtsaison

Sieben Stunden durch die Nacht im Auto, hinter Hamburg beginnt der Nebel. Er reicht weit bis nach Dänemark hinein, wo die Straßen leerer werden, so als gäbe es nur noch eine Richtung und in diese will niemand außer mir. Die junge Hündin, die vor der Abreise aufgeregt war, liegt nun und schläft und schläft. Der ältere Hund schläft nicht, als wisse er es besser, als ruhe man sich eben nicht aus unterwegs. Die Kontrolle abzugeben ist ein Luxus, den sich vielleicht nur die Babys leisten können oder eben müssen.
Nach Hamburg geht es eigentlich immer nur noch geradeaus nach Norden, so lange bis nur noch Meer da ist oder eine der Fähren nach Norwegen oder Schweden.
Ein Teil des Strandes am Havn ist mit dem Auto befahrbar, wie seltsam das ist, direkt bis ans Wasser zu fahren, aber auch barrierearm. Im Osten brechen die hohen Stahltürme einer Bohrplattform die Weite.
Obwohl in ein paar Tagen Ostern ist, wirken der Strand und die kleine Hafenstadt verlassen. Nur wenige sind mit ihren Hunden unterwegs. Beim Bäcker an der Hauptstraße kaufe ich Kaffee in pinken Bechern, gut ist der und heiß. Vielleicht macht das auch nur die Reise und die Spuren der Nacht, nach der sich jedes Stück Wärme gut anfühlt. Die Sonne tut ein Übriges zur Begrüßung, doch hinter den Türmen zieht eine Nebelwand auf. Schnell kommt sie heran, als hätte ich sie fast abgehängt gehabt, jetzt aber eben doch mitgebracht als Nachzüglerin. Der Nebel kriecht unter die Kleidung und auch im Haus ist es kalt als ich es erreiche, doch neben dem Ofen steht ein Korb mit Holz. Wenn der Nebel sich lichtet, werde ich zu Westen hin das Meer sehen können.
Das Haus steht in den Dünen und auf der höchsten Erhebung in Sichtweite sehe ich in den folgenden Tagen ab und an Leute stehen, die immer das Gleiche tun. Sie steigen nach oben, nehmen das Telefon aus der Tasche und fotografieren das Meer. Dann drehen sie sich und fotografieren landeinwärts, manche machen auch ein Bild von sich. Das Kind hat mal gesagt, „die Erwachsenen machen ständig Fotos, das Handy scheint mir denen das wichtigste, die müssen immer ein Stück ins Gerät packen und mitnehmen.“ Es macht ihm dennoch Spaß, sich Bilder anzugucken, diese zu filtern und in die Netzwerke zu senden. Ich denke, ich bin auch erwachsen und will nicht nur das Meer, sondern mich in diesem Moment mitnehmen. Wenn ich mir die Bilder später anschaue, öffnet sich etwas für die Reflexion, vielleicht verschließt sich aber auch etwas. Ich dopple mich ja eher in der Schrift als im Bild.
Mir fällt ein Gespräch ein, welches ich mal mit C-M über Berlin, Neukölln und Gentrifizierung hatte. Es ging darum, wie er/man/ich/wir nicht mit der Veränderung klarkommen und den alten Zeiten nachtrauern und wie albern das auch gleich wieder ist. In eine Stille hinein sagte dann C-M etwas wie: „Vielleicht trauere ich gar nicht dem alten Kiez nach, sondern mir wie ich damals war.“ Etwas ähnliches hat einmal jemand rückblickend auf eine gemeinsam verbrachte Zeit zu mir gesagt: “Ich vermisse nicht so sehr dich, sondern mich, wie ich mit dir war.” Einer der besseren war das.

2016/04/12

Pink sky

and a sudden desire for a strong bass.

2016/02/16

Some nights, the city is so still, it’s almost as if it has left us.

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2016/02/08

It takes some time for everyone to settle down. The child tells a thousand stories before bedtime and once in bed remembers the most important things while lying down. When you lie flat on your back, perspectives shift. So, another thousand things come up – they need to be told until suddenly it’s quiet.
The big young dog wants to run and play before bedtime. It chases shadows and can probably see ghosts, sometimes it’s just cars driving by, painting the bedroom walls with light, but sometimes there really are ghosts. Ghosts are tricky, you cannot snap at them, you cannot chase them, but they are felt. The dog circles the bed a few times, looks at me, curls up and falls asleep. I envy the dog for the ability to fall asleep so easily.
The friend and the small old dog stay up longer. The friend usually has some programming to finish. He always makes promises to himself that he will not work late nights any longer, then a project does not go as planned and he breaks his promise. He has a daylight lamp, which has a blueish light, that feels cold to me but helps him stay awake. The small dog needs a walk later at night. I guess its job is to check for ghosts outside the house. After the walk, dog and friend have a snack and go to bed.
Then there are the bunnies who don’t really do human sleep hours, but even they stop roaming eventually.
When everyone is asleep, the child, the friend, the small dog, the big dog and the bunnies and the house is quiet, except for the old oil heating system which hums and crackles and the occasional distant car sound, a rooms opens up. It’s the quiet room, where I can sit and rest and think things I cannot fathom elsewhere. The room isn’t there, when I’m alone. It needs my affiliated family, their presence is like a distant, but solid embrace. When I’m alone, it’s wide spaces all around. In the quiet room I’m neither lost nor found.

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