2014/07/22

Im Hof sitzen, die Beine auf dem Tisch, die schwer sind und dann ganz leicht werden, bis sich das Holz eingräbt und ich sie nicht mehr spüre und die Position verlagern muss. (Genauso ist es auch mit den Umzügen.)
Zigarettenrauch der Nachbarn, die ich nie sehe, steigt über die Mauer. Immer nur der Rauch und die Nacht soll nicht enden, der Sommer soll nicht enden, und die Liebe auch nicht. Vom gleichen Wesen wie der Rauch sollen sie sein – leicht, aufsteigend und doch auch etwas kaputt und unlogisch, sich festsetzend und dennoch in Bewegung. Heiß werden, kalt werden, Übergänge.
Ich schließe die Augen und lege den Kopf noch etwas weiter in den Nacken. Überstrecken, bis zum Ziel und darüber hinaus schießen.

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2014/07/17

A.

Some nights, I check on you, as if you were still a baby. I can hear you breathing and moving in your sleep. I just hope, there are no zombies.
I notice the little tool-box beside your bed that contains a hammer, a screwdriver, a scraper and an ax. The other day, you showed me the ax before you went to bed: “See, I’m prepared. I’m going to fend off zombies with this.”
I said: “But the ax is made of plastic, it’s not real.” You answered: “Neither are the zombies.”
And I thought, that you are well prepared indeed – for life and for all those different realities that you will encounter. And you haven’t even read Foucault, Lacan or Butler. Maybe it is children’s tales that explain the relation between the symbolic order, materiality, discourse and power without ever using words like these.

2014/07/08

sehnsucht danach auf reisen zu bleiben. im dazwischen. in einem schwebezustand. unbestimmt, ungenau, in der bewegung zu schnell um fassbar zu sein oder selbst etwas zu greifen.
in portugal habe ich mich einmal in den bergen verfahren. irgendwann waren kind und ich über den tiefhängenden wolken, das navigationsgerät setzte aus und ich dachte, vielleicht ist da unten gar nichts mehr, vielleicht haben wir nur uns und den nebel.

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auch jetzt, zwischen den bergen, ist das müssen auf stop. die schwerwiegendsten entscheidungen sind die, welche strasse ich einschlage, ob ich doch noch auf den berg fahre oder einen zweiten kaffee trinke. auf reisen sein ist schrödingers katze vor der öffnung der kiste. mehr noch, als ich später im zug sitze und nicht weiß, ob ich mich von etwas weg oder auf etwas zu bewege.

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2014/07/05

Im Supermarkt spricht mich ein Mann an, vor den Avocados. Und über die Avocados entspinnt sich ein Gespräch. Das passiert hier nicht. In Norddeutschland hält man den Blick ab. Beim Einkaufen, im Zug, an Haltestellen gibt es keine kurzen Gespräche. Der Mann ist Niederländer und auf Besuch. “Bei den Avocados muss man genau schauen”, sagt er, “so wie Sie das tun.” Weich sollen sie sein, aber nicht zu sehr. Es ist eine Gratwanderung. “Und dann mit Zitrone und Krabben und Salz und Pfeffer servieren.” Die Krabben sind nichts für mich und sind es doch wegen Sylvia Plath. Die Stelle in der Glasglocke, wo allen vom Avocado-Krabben-Cocktail nach einer Feier übel wird. Der Protagonistin geht es am Schlimmsten, wegen ihrer Avocado-Liebe und des Pfeifens auf das Diät- oder Maßhalten. Wahrscheinlich aber kotzt sie noch etwas anderes aus.
Ich wähle zwei Früchte und verabschiede mich.

Zuhause sitze ich vor Text- und Projekttürmen, schaue in den Bilderfeed und schaue weg. Ich bin heute müde der Filter, der sorgfältigen Ästhetiken. Ich möchte sehen, was nicht fotografiert worden ist. Ich suche nach etwas zwischen den Realitäten, was weder geschönt ist, noch lower-middle-class trash. Vielleicht etwas wie Neuer Brutalismus. Eine Ästhetik, die heraus tritt und dir etwas entgegenhält – nicht zaghaft, sondern sehr substantiell; nichts zum Einkuscheln, sondern etwas, das konfrontiert und Stellung bezieht. Das ist es auch, was ich am Älterwerden und an Älteren schätze – die Konturierung von Mimik, Gestik und Verhalten; die Eigenarten, die sich in Gesichter eingraben und die Spuren an Körpern. Kartographierte Haut, geschichtete Vergangenheit. Ich bin auf der Suche nach Sätzen, die diese Prozesse erzählbar machen. Ob der langweiligen Klischees um Jugend und Alter, scheint es da viel zu tun zu geben. Oberflächenglanzsemantik, zersetzend.

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2014/07/01

Das Kind im Bett, with an army of plush toys, an army of lovers – wegen der Zombies, die tagsüber harmlos scheinen, aber nachts sicher aus den Pixeln heraus an unser Leben wollen. Never ending game levels. Das Leben will auch an uns, nur welches ist nicht ganz klar. Mit den Möglichkeiten spielen, vorausschauend tun, so als wäre Zukunft etwas und dabei genau wissen, dass sich erst im Rückblick die Dinge zusammensetzen.
Alles was man sagt, wird wahrscheinlicher.
Noch einen Zusatz, noch einen Filter, noch eine kleine Strecke.
Aufstehen, fortgehen, einrichten, aber nie völlig. Ankommen, ohne dazubleiben, noch ein Schritt, noch zwei. Hey hey, my my. Vergeben oder vergebens. Die Worte umdrehen. Sie so lange wenden bis sie noch blutleerer werden. Aren’t words like ghosts already? Yes, darling. Let’s wear them and haunt the living.

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